Im Rah­men ei­ner Wirt­schafts­prü­fung wird be­ur­teilt, ob die Fi­nanz­be­richt­erstat­tung ei­nes Un­ter­neh­mens den Tat­sa­chen und den gel­ten­den Re­geln ent­spricht. Die Prü­fung en­det im­mer mit ei­nem Tes­tat, wel­ches im bes­ten Fall un­ein­ge­schränkt er­teilt wird. Wur­den im Lau­fe der Prü­fung je­doch Män­gel oder Feh­ler fest­ge­stellt, wird das Tes­tat je nach Schwe­re­grad die­ser Män­gel nur ein­ge­schränkt er­teilt oder gänz­lich ver­wei­gert.

Es ist un­be­dingt zu be­ach­ten, dass ein Prüf­tes­tat le­dig­lich be­wer­tet, ob die vom Un­ter­neh­men be­reit­ge­stell­ten Zah­len der Wirk­lich­keit ent­spre­chen. Die vor­ge­leg­ten Zah­len wer­den da­bei NICHT in­ter­pre­tiert – es wird also kei­ne Aus­sa­gen dar­über ge­trof­fen, ob sich ein Un­ter­neh­men in ei­ner wirt­schaft­lich gu­ten Lage be­fin­det.

Zum Be­reich der Wirt­schafts­prü­fung ge­hö­ren fol­gen­de Prü­fun­gen:

  • Jah­res­ab­schluss­prü­fun­gen (frei­wil­lig und ge­setz­lich)
  • Kon­zern­ab­schluss­prü­fun­gen
  • Grün­dungs­prü­fun­gen
  • Son­der­prü­fun­gen
  • Un­ter­schla­gungs­prü­fun­gen
  • Kre­dit­wür­dig­keits­prü­fun­gen
  • Due Dil­li­gence Prü­fun­gen
  • Öko- und Um­welt-Au­dit (be­triebs­wirt­schaft­li­che Be­lan­ge)

Wie läuft eine Wirt­schafts­prü­fung ab?

Der Wirt­schafts­prü­fer ist zur Ein­hal­tung von Stan­dards ver­pflich­tet, die ge­nau re­geln, wie Auf­trä­ge an­ge­nom­men, ge­plant, durch­ge­führt und do­ku­men­tiert wer­den. Er legt be­reits vor Be­ginn der ei­gent­li­chen Prü­fungs­hand­lun­gen fest, wel­che Feh­ler to­le­riert wer­den kön­nen und wel­che zu ei­ner Ein­schrän­kung des Prü­fungs­er­geb­nis­ses füh­ren.
Die Prü­fung selbst er­folgt üb­li­cher­wei­se an­hand von Stich­pro­ben. Art und Um­fang der Wirt­schafts­prü­fung lie­gen so­mit im Er­mes­sen des Prü­fers. Eine lü­cken­lo­se Über­prü­fung wäre mit enor­men Kos­ten ver­bun­den und wür­de die Ge­nau­ig­keit der Er­geb­nis­se nur we­nig ver­bes­sern.

Was steht im Prü­fungs­be­richt?

Nach Ab­schluss der Wirt­schafts­prü­fung wird nur der Be­stä­ti­gungs­ver­merk ver­öf­fent­licht. Der Prü­fungs­be­richt ist ver­trau­lich und aus­schließ­lich für die Or­ga­ne der be­tref­fen­den Ge­sell­schaft be­stimmt (Ge­schäfts­füh­rung, Ge­sell­schaf­ter, Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung, Auf­sichts­rat). Sämt­li­che Be­ob­ach­tun­gen des Wirt­schafts­prü­fers wer­den in die­sem Be­richt klar und deut­lich auf­ge­führt. Er gibt Ant­wort auf fol­gen­de Fra­gen:

  • Ent­spricht der Ab­schluss den tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­sen (ent­spre­chend der Vermögens‑, Fi­nanz- und Er­trags­la­ge)?
  • Wur­den die Grund­sät­ze ord­nungs­ge­mä­ßer Buch­füh­rung (GoB) ein­ge­hal­ten?
  • Ent­spre­chen die Ab­schlüs­se den ge­setz­li­chen und un­ter­neh­mens­ei­ge­nen Vor­schrif­ten?
  • Wur­den Schwach­stel­len und Män­gel fest­ge­stellt? Gibt es Mög­lich­kei­ten zu de­ren Be­sei­ti­gung?
  • Gibt es Schwach­stel­len im in­ter­nen Kon­troll­sys­tem?
  • Wie sieht die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung des Un­ter­neh­mens aus? Wel­che Chan­cen, wel­che Ri­si­ken er­ge­ben sich für die Zu­kunft?

Wel­che Un­ter­neh­men sind zur Prü­fung ver­pflich­tet?

Mitt­le­re und gro­ße Ka­pi­tal­ge­sell­schaf­ten sind zur Prü­fung ih­res Jah­res­ab­schluss und La­ge­be­richts ver­pflich­tet.
§267HGB de­fi­niert Merk­ma­le für die Un­ter­neh­mens­grö­ßen. Wer­den min­des­tens zwei die­ser Merk­ma­le an zwei auf­ein­an­der­fol­gen­den Stich­ta­gen über­schrit­ten, so wer­den die Un­ter­neh­men der ent­spre­chen­den Un­ter­neh­mens­grö­ße zu­ge­ord­net.

Un­ter­neh­mens­grö­ße Bi­lanz­sum­me Um­satz­er­lö­se (in Mio.) Bi­lanz­sum­me
Kleinst ≤ 350.000 ≤ 700.000 ≤ 10
Klein ≤ 5 Mio ≤ 10 Mio ≤ 50
Mit­tel­groß ≤ 20 Mio ≤ 40Mio ≤ 250
Groß > 20 Mio > 40 Mio > 250

Auch für klei­ne­re Un­ter­neh­men, die nicht ex­pli­zit zu ei­ner Wirt­schafts­prü­fung ver­pflich­tet sind, kann eine sol­che durch­aus sinn­voll und ge­winn­brin­gend sein.

Wel­che Vor­tei­le hat eine frei­wil­li­ge Wirt­schafts­prü­fung?

Der Be­richt ei­ner Ab­schluss­prü­fung lie­fert den Or­ga­nen ei­ner Ge­sell­schaft wert­vol­le, um­fas­sen­de und fach­lich fun­dier­te In­for­ma­tio­nen über ihr Un­ter­neh­men.

  • Ver­trau­en
    Ein­wand­freie Prü­fungs­er­geb­nis­se stär­ken das Ver­trau­en von Ge­sell­schaf­tern, Ge­schäfts­part­nern, Ka­pi­tal­ge­bern und Ban­ken in Ihr Un­ter­neh­men.
  • Si­cher­heit
    Sie er­höht die Si­cher­heit, dass der Jah­res­ab­schluss voll­stän­dig und rich­tig, ent­spre­chend ge­setz­li­cher und un­ter­neh­mens­in­ter­ner Vor­schrif­ten durch­ge­führt wur­de.
    Gläu­ber ver­lan­gen häu­fig ein­wand­freie Jah­res­ab­schluss­prü­fun­gen, be­vor sie (grö­ße­re) Kre­di­te ver­ge­ben. Auch für Un­ter­neh­mer, die sich an ei­ner GmbH be­tei­li­gen (wol­len), ist ein ein­wand­frei­er Jah­res­ab­schluss eine wich­ti­ge Si­cher­heit.
  • Kon­trol­le
    Die Wirt­schafts­prü­fung er­mög­licht den Ge­sell­schaf­tern die Kon­trol­le der im Un­ter­neh­men ein­ge­setz­ten Ge­schäfts­füh­rung. Au­ßer­dem kann sie Feh­ler der Mit­ar­bei­ter auf­de­cken. So wird be­reits im Vor­feld da­für ge­sorgt, dass Mit­ar­bei­ter ihre Auf­ga­ben ge­wis­sen­haft aus­füh­ren. Auch die Hemm­schwel­le für un­ter­neh­mens­schä­di­gen­de Hand­lun­gen wird er­höht.
    Be­stehen im in­ter­nen Kon­troll­sys­tem Schwach­stel­len, so wer­den die­se auf­ge­deckt.

Kommentar verfassen